Skip to content

Geschichte

Ein geschichtlicher Rückblick in Marktgraitz

Jungsteinzeit 3000 – 2000 Jahre vor Christus

Wie alt der Ort ist, wird nie erkundet werden. Archäologische Grabungen am „Hausberg der Marktgraitzer“, dem Berglein, vom 9. Februar bis Ende August 1976 zeigten Mauerreste aus Holz und Stein, die darauf schließen ließen, dass dort einst eine Fliehburg stand. Man vermutet, dass sich die Bewohner zu kriegerischen Zeiten der Siedlung und der Umgebung in diese „Befestigung“ zurück zogen. Auf dem Berglein konnte man sich in Notzeit „bergen“. Bei früheren Grabungen fand man Scherben, die man der nordischen Gruppe der Jungsteinzeit in Bayern (3000 – 2000 Jahre vor Christi Geburt) zuschrieb.

Erste urkundliche Nennung

Der Ort wurde in einer Schenkungsurkunde vom Jahre 1071 erstmals urkundlich erwähnt. Marktgraitz, derzeit „Grodeze“ genannt, war eine selbstständige Siedlung mit einem genau umgrenzten Pfarrsprengel und einem Centgericht. Grodeze kam derzeit unter die weltliche Herrschaft des Bischofs von Bamberg.

Besuch des hl. Ottos von Bamberg

Am Gründonnerstag des Jahres 1127 brach Bischof Otto von Bamberg zu einer Mission nach Pommern auf. Die erste Übernachtung nahm er mit seinem Gefolge auf dem Herrenhof der zu Bamberg gehörenden Kirche „Grovuzo“, dem heutigen Marktgraitz. Hier wusch er am Gründonnerstag 1127 den Seinigen, vor seiner Weiterreise, nach christlichem Brauch die Füße.

Ortsnamensänderungen

Um 1189 war die slawische Namensform des Ortes (Grovuzo bzw. Grovuze) bereits wieder verschwunden. Bis 1380 änderte sich der Ortsname von Grodezze und Grovuze in Graz, Greucz, Greutz und Greitz.

Gerichtsbarkeit und Gerichtslinde

Unter der Gerichtslinde wurde im Cent Graitz nach alter Überlieferung unter freiem Himmel Recht gesprochen. Noch im Jahre 1655 stand Barbara Kotschenreuther vor dem Gericht in Graitz. Sie hatte sich wegen Kindesmord zu verantworten und wurde zum Tode durch Ertränken verurteilt. Der zuständige Bischof begnadigte sie zum Tode durch das Schwert, doch musste sie vorher einen Griff mit der glühenden Zange erleiden. Ob die Gerichtslinde am Marktplatz noch aus der damaligen Zeit stammt, ist nicht nachweisbar. Schätzungsweise könnte sie jedoch 400 bis 500 Jahre alt sein.

Der Kreuzstein am Berglein

Da das Centgericht bereits genannt wurde, muss auch der Kreuzstein am Berglein genannt werden, der aus dem 16. / 17. Jahrhundert stammt. Wenn von diesem Stein gesprochen wird, denkt man in der Marktgemeinde an einen Sühnestein, denn dort soll in den Wirren der Reformation ein katholischer Pfarrer erschlagen worden sein. Historiker vertreten aber die Meinung, der Kreuzstein gehöre zu dem Ring von Centsteinen, die ein „gehegtes Gericht“ umschlossen, in dessen Gebiet während der Gerichtssitzung „unbedingter Friede“ gesichert war.

Allerdings gibt es auch Meinungen nachdenen der "Kreuzstein" bereits von den Kelten stammt, nachdem das eingeritzte Kreuz erst aus jüngster Zeit stammt und der Stein außer seiner geometrischen, rechteckigen und plattenartigen Form keinerlei Verzierungen enthält.

Siegelverleihung

Am 28.04.1478 verlieh Bischof Philipp Graf von Henneberg zu Bamberg besonders wegen des Centgerichtes dem Ort ein eigenes Siegel. Mit der Siegelverleihung hatte „Greytze“ eine Machtfülle erreicht, um die es mancher größerer Ort beneidete. Es war nun auch nach außen hin der geistliche und weltliche Mittelpunkt im nördlichen Banzgau.

Dreißigjähriger Krieg

Obwohl der Ort etwas abseits der Durchzugsstraße von Lichtenfels nach Kronach lag, wurde er in den Kriegswirren zwischen 1618 bis 1648 mehrmals von durchziehender Soldadeska ausgeplündert und gebranntschatzt.

Märkte

Am 17.06.1719 verlieh der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz Graf von Schönborn dem Ort vier Jahrmärkte und 1739 der Bamberger Bischof Friedrich Carl zwei weitere Marktrechte. Eine Urkunde aus dem Jahre 1763 bestätigte, dass auf diesen Märkten auch mit Vieh gehandelt wurde.

Gotteshaus

Da der hl. Otto von Bamberg bereits 1127 in unserem Ort übernachtete und hier die Karfreitagsliturgie feierte, muss zu dieser Zeit schon ein dem Anlass entsprechend würdiges Gotteshaus gestanden haben. Die Kirche wurde auch nicht in einem Zuge gebaut. Dies zeigten die verschiedenen Bauformen bis zum Jahre 1958. Der Turm und das Portal waren romanisch, der Chor gotisch. Vom Langhaus weiß man, dass es 1723 erhöht wurde. Nach dem Kirchenbrand von 1958 wurden nur Portalwand und Chor des alten Gotteshauses in den Neubau eingebunden. Die Einweihung der neu errichteten Kirche erfolgte 1959 durch Erzbischof Dr. Josef Schneider.

Bauliche und gesellschaftliche Veränderungen

Viele Veränderungen nach dem 2. Weltkrieg (1939 – 1945) zeigen uns ein neues Bild unseres Ortes. Nach 1945 blühte das Korbmacherhandwerk noch einmal stark auf. Es wurden hauptsächlich Kinderwagen gefertigt. Um 1970 verringerte sich dieser Erwerbszweig wieder. Aus den Heimarbeitern wurden Pendler, aus den Korbmachern Fabrikarbeiter, die überwiegend in der Polstermöbel-Industrie der umliegenden Orte Arbeit fanden. Der Zuzug vieler Heimatvertriebener nach dem 2. Weltkrieg zwang zur Beschaffung neuen Wohnraums. Neue Wohnsiedlungen entstanden um den alten Ortskern. Durch Erweiterung und Ausbau alter Wohnhäuser verschwand aber leider auch mancher alter Zeitzeuge. So musste am 6. September 1977 die alte Marktgraitzer Steinachbrücke mit ihren 3 Steinbögen den steigenden Anforderungen des Straßenverkehrs weichen. Das im Jahre 1913 erbaute „Neue Schulhaus“, es stand im Turnergarten, wurde 1963 abgerissen. 1964 wurde an gleicher Stelle ein neues Schulhaus erbaut und eingeweiht. In ihm konnten alle Schulkinder gleichzeitig unterrichtet werden. Die neu angebaute Turnhalle mit darunter liegendem Lehrschwimmbecken konnte 1967 ihrer Bestimmung übergeben werden. Dieses damalige Bauvorhaben veränderte das nördliche Ortsbild erheblich, da gleichzeitig an der Zufahrt zur Schule und Turnhalle das alte Gemeindehaus weggerissen wurde.

Alte Zeitzeugen

Wer aber als Geschichtsinteressierter nach Marktgraitz kommt, kann dennoch alte Zeugen der Vergangenheit finden:

  • Kirche am Marktplatz
  • Pfarrhaus am Marktplatz
  • Gerichtslinde am Marktplatz
  • 2 Schulhäuser am Marktplatz
  • Haus mit Ecksäule am Marktplatz
  • Torhaus in der Schulstraße
  • Treubelhaus (Fachwerk mit Ecksäule) in der Lettenreuther Straße
  • Johannesstatue in der Johannesstraße
  • Kreuzstein am Berglein
  • Schneeberg Kapelle Richtung Lettenreuth
  • Alte Mühle an der Steinachbrücke
  • Schneidmühle mit Mühlrad am Zusammenfluss Steinach und Rodach

Zusammenfassung von:
Erich Kliemann, Hauptlehrer i.R.
Schönberg 10
96257 Marktgraitz

Kontakt

Markt Marktgraitz
Marktplatz 13
96257 Marktgraitz
Tel.: 09574/204
Fax: 09574/650264
rathaus@marktgraitz.de
Hinweis zur elektronischen Kommunikation

Sprechzeiten:
Mo. 16.30 - 18.30
Do. 14.00 - 16.00
Fr. 9.30 - 11.30

Außendienst Marktgraitz:
Bauhof, Auweg 5
Müller, Bernd
0157/37553257
Fischer, Markus
0157/37553255
Harz, Andreas

0173/7346657

Veranstaltungskalender

Veranstaltungskalender

Geoportal

geoportal